Erika Wöhle

Erika Wöhle, 81, trifft man immer unter Leuten, zum Beispiel beim Turnen, Schwimmen oder  bei der ökumenischen Seniorenbegegnung.

 

1.      Wie bist du in Marienfeld gelandet?

Ich bin eigentlich in Frauenburg, Ostpreußen geboren. Im Jahr 1945, da war ich gerade 9 Jahre alt, musste unsere Familie fliehen. Es war spät abends, gegen 22 Uhr, als wir unsere damalige Heimat verlassen mussten. Wir sind, wie tausende andere Flüchtlinge, über die zugefrorene Frische Haff, einen Strandsee der Ostsee, geflohen. Als Quartier mussten wir uns eine Scheune suchen, in der wir schlafen konnten. Mit dem Viehwagen ging es dann weiter über Danzig nach Stolp, dann mit dem Schiff weiter nach Ostfriesland, genauer gesagt nach Weener. Dort sind wir dann zwei Jahre geblieben. Fast wären wir für die Überfahrt auf der Wilhelm Gustloff gewesen, die untergegangen ist und mehrere tausend Menschen in den Tod gerissen hat. Durch das Rote Kreuz haben wir dann meinen Vater gefunden, der bei der GSO (German Service Organisation) Arbeit gefunden hat, und so sind wir im Dezember 1950 nach Marienfeld gekommen.

 

                

 

2.      Wie war es zu Beginn in Marienfeld?

Am Anfang war es nicht so leicht, die Westfalen sind etwas stur. Ich bin nur 3 Monate hier zur Schule gegangen, eigentlich fehlt mir durch die Flucht auch ein Jahr Schule. Eine Ausbildung habe ich auch nicht absolviert, sondern habe direkt in der Weberei Huber angefangen und danach in der Näherei Höffer und Düspohl. Im Jahr 1955 haben meine Eltern in der Pattbrede gebaut und im gleichen Jahr habe ich mich auch verlobt. Zwei bis drei Jahre habe ich noch bei Vossen Badeartikel genäht, bis im Jahr 1959 mein erster Sohn geboren wurde. Zwischen den Geburten meiner drei Söhne habe ich immer wieder angefangen und in den 80er-Jahren habe ich dann beim Malerbedarf Barteldrees ausgeholfen und Pakete für Aufträge gepackt.

 

3.      Du bist auch im Verband Wohneigentum aktiv. Was genau machst du da?

Ich bin schon seit unserem Hausbau 1962 Mitglied und mittlerweile im erweiterten Vorstand. Früher gab es da viel zu tun, wir haben zum Beispiel Anlagen gepflegt und als Golddorf eine Medaille in Berlin abgeholt. Mittlerweile verteile ich hauptsächlich die regelmäßig erscheinende Zeitschrift mit Information zu Haus und Garten.

 

4.      Was gefällt dir an Marienfeld?

Marienfeld ist einfach ein schöner und idyllischer Ort. Es hat die passende Größe und ist schön ländlich gelegen. Mit der Zeit haben wir uns einen großen Freundeskreis aufgebaut und fühlen uns hier sehr wohl. Früher kannte man noch jeden, mittlerweile sieht man durch die vielen Zugezogenen auch öfters neue Gesichter.

 

5.      Was wünscht du dir für Marienfeld?
Es wäre schön, wenn die Bahnstrecke reaktiviert werden würde. Wenn ich mir überlege, wo man dann überall hinfahren könnte- das wäre schon toll. Ich fahre nämlich nicht mehr gerne längere Strecken mit dem Auto.